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Es ist daher ratsam, sich eine seriöse Plattform für Fonts auszusuchen, die Lizenzbedingungen genau durchzulesen und im Zweifelsfall den Urheber der ausgewählten Schrift zu kontaktieren. Manche „Irrtümer“ hinsichtlich der Verwendung können nicht nur unangenehm, sondern sogar richtig teuer werden.

Vorsicht bei Plagiaten

Es gibt ein paar Fonts, die wirklich jeder kennt, wie beispielsweise Times New Roman von Lynotype. Stößt man im Internet auf eine Gratisschrift dieses Anbieters oder eines der großen Mitbewerber wie Monotype oder Adobe, kann man sicher sein, dass es sich hierbei um eine illegale Variante handelt. Kostenpflichtige Schriften werden niemals gratis angeboten. Schwerer zu erkennen sind Fonts von weniger bekannten Firmen oder von einzelnen Grafikern.

Wie in anderen Bereichen gilt aber auch hier: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Und die kann – je nachdem, mit welchem Unternehmen man sich anlegt – empfindlich hoch ausfallen.

Möchte man unbedingt eine dieser kostenpflichtigen Schriften nutzen, erwirbt man am besten auf der Herstellerseite direkt oder über den Urheber das Nutzungsrecht am gewünschten Font. Wer kein Geld dafür ausgeben kann oder will, hat die Möglichkeit, im Internet nach ähnlich aussehenden Gratisschriften zu fahnden. Doch auch bei diesen gibt es einiges zu beachten.

Gratisschriften sind kostenlos, aber nicht unbegrenzt nutzbar

Das Verfügungsrecht über den Font behält immer der Urheber, unabhängig davon, ob es sich um einen Grafiker, eine Foundry oder ein großes Unternehmen wie Linotype handelt. Selbst, wenn man Geld für eine Schrift zahlt, kauft man sie damit nicht, sondern erwirbt lediglich das Nutzungsrecht daran. Folglich darf der sogenannte Lizenznehmer die Schrift nur im Sinne seines Schöpfers verwenden.

Was in diesem Rahmen erlaubt ist, legen die Lizenzbedingungen fest. Seriöse Free-Font-Portale liefern einen Link dazu, oftmals in den Readme-Dateien. Offiziell laufen diese Vorgaben unter EULA (End User Licence Agreement), der Endbenutzer-Lizenzvereinbarung für Software. Meistens ist in diesen Bedingungen geregelt, was der Nutzer des Fonts alles nicht darf: Weitergabe oder Verkauf an Dritte, Missbrauch und in manchen Fällen auch kommerzielle Verwendung. Für alle Verstöße dagegen muss der Lizenznehmer geradestehen.

Private Nutzung von Gratisschriften

Wer einen Font rein privat nutzt, kann Free Fonts im Normalfall ohne Bedenken nutzen. Doch auch in diesem Fall sollte man die Lizenzvereinbarung durchlesen, da hier oft Punkte geregelt sind, an die man vielleicht nicht unbedingt denken würde. So darf man auch bei privater Nutzung viele Schriften nicht einfach weitergeben.

Kommerzielle Nutzung von Gratisschriften

Es gibt eine Reihe von Free Fonts, die von ihren Urhebern nur für private Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Doch genau hier fangen die Probleme an: Was ist noch privat, was schon kommerziell?

Kommerziell ist das, womit Geld verdient wird

Beginnen wir mit dem Eindeutigsten: Setzt man Schriften für eine bezahlte Auftragsarbeit ein, liegt glasklar eine kommerzielle Nutzung vor, für die der Font entsprechend lizenziert werden muss. Das bezieht sich auf alles, wofür Geld fließt, also auch auf Bücher und Magazine, die zum Verkauf angeboten werden.

Nach dieser Definition fallen beispielsweise Weihnachtskarten an Kunden und sogar die gesamte geschäftliche Korrespondenz in den non-kommerziellen Bereich. Das würde bedeuten, dass hier auch Schriften eingesetzt werden dürfen, die nur für den privaten Gebrauch gedacht sind. Doch Vorsicht: Das ist eine Sichtweise, die nicht alle Anbieter teilen – und in der Tat ist die genaue Unterscheidung nicht schlussendlich geklärt.

Hinweis: Klären Sie im Zweifelsfall immer mit dem Lizenzinhaber direkt, ob die vorgesehene Nutzung der Gratisschrift den Bedingungen entspricht. Eine Lizenz für den kommerziellen Gebrauch schützt vor Problemen.

Manche Lizenzgeber gehen bei einem Unternehmen immer von einer kommerziellen Nutzung aus. Wer auf der sicheren Seite sein will, kontaktiert den Urheber daher, der eventuell dem kostenlosen Gebrauch zustimmt oder eine Nutzungsgebühr für den kommerziellen Einsatz erhebt.

In den meisten Fällen ist diese Lizenzgebühr ohnehin nicht besonders hoch. Manche Grafiker, die ihre Schriften anbieten, bitten kommerzielle Nutzer lediglich um eine Spende, deren Höhe diese selbst bestimmen können. Selbstverständlich steht es auch allen anderen frei, dem Urheber etwas zu spenden. Auf diese Weise lässt sich Anerkennung ausdrücken – für eine schöne Schrift, die auch noch kostenlos zur Verfügung gestellt wird (oft auch von Freiberuflern, die ein paar Euros gut gebrauchen können).

Vorsicht bei privater Nutzung

Auch unter Experten ist umstritten, wo genau die private Nutzung endet. Eine strenge Auslegung besagt, dass sämtliche Dienstleistungen nicht rein privater Natur sind, auch wenn mit ihnen kein Geld verdient wird.

Darunter fiele dann beispielsweise auch das Rundschreiben für die Eltern von den Klassenkameraden der Kinder oder der Brief, den man aus Gefälligkeit für den Nachbarn schreibt. So eng wird dies meistens zwar nicht gesehen, aber man sollte sich bewusst sein, welche weiten Kreise eine unbedachte Nutzung ziehen könnte.

Wann lohnt es sich Geld zu zahlen?

Nicht umsonst (im wahrsten Sinne des Wortes) gibt es Agenturen, die sich ausschließlich dieser Arbeit widmen. Vergleicht man professionelle Gratisschriften mit bezahlten Schriften, so lassen sich je nach Font dennoch feine Unterschiede in der Ausführung erkennen, zum Beispiel bei der Ligatur. Soll die Schrift also bedenkenlos in unterschiedlichsten Fällen genutzt werden können oder gar als CI-Font dienen, empfiehlt es sich als Unternehmen, eine eigens erstellte „Custom Font“ zu bezahlen.

Custom Font „Sauber Script“ der Typo-Agentur Typejockeys
Gratisschrift „Valentine Love“ von Doel Creative
Gratisschrift „Dulcelin“ von Youssef Habchi

Für alle frei: Open Source Fonts

Open Source Fonts sind ähnlich wie Open Source Software für jeden zugänglich. Diese Gratisschriften dürfen sowohl privat als auch kommerziell genutzt, abgeändert, kopiert und weitergegeben werden.

Nicht erlaubt ist es hingegen, modifizierte Versionen unter dem ursprünglichen Lizenznamen zu verkaufen. Auch bei Open Source Fonts ist es ratsam, vor der Nutzung die Lizenzbedingungen genau durchzulesen. Die am meisten verbreitete Lizenzform ist die SIL Open Font License, kurz OFL.

Warum gibt es Gratisschriften?

Betrachtet man, wieviel Geld sich mit Schriften verdienen lässt, muss man automatisch misstrauisch werden: Warum bekommt man manche Schriften zur kostenlosen Nutzung?

Eines vorweg: Gratisschriften haben nicht immer die hohe Qualität wie kostenpflichtige Fonts, in die viel Entwicklungsarbeit (und damit auch viel Geld) gesteckt wurde. Manchmal bekommt man die ersten Versuche am Anfang einer Grafikerkarriere angeboten, die noch keinen hohen Standards entsprechen und damit für eine kommerzielle Nutzung per se nicht infrage kommen. Der Grafiker versucht so, mit Gratiskostproben seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.

Oft handelt es sich aber auch um qualitativ hochwertige Fonts, die dennoch keinen Cent kosten – und das kann zum Beispiel daran liegen, dass der Lizenzgeber die Schriften nur als Hobby entwickelt und damit kein Geld verdienen möchte. Ihm ist es Lohn genug, wenn möglichst viele seine Fonts herunterladen. Ein Lob per E-Mail nimmt er bestimmt auch gerne entgegen.

Eine andere Möglichkeit ist grob zusammengefasst Förderung. Beispiel ist die bereits erwähnte SIL Open Font License, deren Ziel es ist, die Entwicklung von Schriften vor allem in gemeinschaftlichen Projekten zu fördern und eine Plattform für die Weiterverbesserung dieser Schriften zu bieten. Auch staatliche Institutionen und gemeinnützige Verbände stellen mitunter kostenlose Schriften zur Verfügung, um zum Lesen zu animieren und Analphabetismus entgegenzuwirken.

Doch egal, welche Beweggründe dahinterstecken: Auch jede Gratisschrift unterliegt Lizenzbedingungen. Und die sollte man kennen, bevor man den Font nutzt.

 

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