Titelbild-Feature-Teresa-Bodi

Der Stil der Gewinnerin unseres Posterwettbewerbs, Teresa Bodi aus Wien, ist uns im Gedächtnis geblieben. Auf dem Design-Event Forward Festival haben wir eine Auswahl aller Teilnehmer-Poster des Contests ausgestellt, und mittendrin ihr Gewinnerposter: Eine ältere faltige Dame mit auffälliger Sonnenbrille, dunklem Lippenstift, hochgestelltem Dutt und großen Kreolen. Darüber der Schriftzug „The art of saying whatever“. Es komme selten vor, dass ältere Menschen als cool oder schön dargestellt werden, vor allem nicht Frauen, meint die Illustratorin dazu selbst.

Weiter erklärt sie uns, sie wollte ein Bild machen, das eine positive Stimmung verbreitet und vermittelt: einfach einmal alles nicht so ernst sehen und sich nicht in Klischees drängen lassen, sondern so auftreten, wie man es selbst für richtig hält. Dabei dienen der Illustratorin im Allgemeinen häufig Menschen als Inspirationsquelle. Wenn sie mal blockiert sei oder beim Zeichnen nicht weiterkomme, gehe sie gern spazieren, um die Menschen auf der Straße ein bisschen zu beobachten, verrät sie uns. 

„Jeder ist auf seine eigene Art irgendwie schräg und dabei einfach wunderbar.
Ich liebe [das] (…) in meinen Zeichnungen zu unterstreichen.“

Beim Durchsehen des Instagram-Accounts von Teresa Bodi fällt auf, dass sie im Speziellen sogar häufig Frauen illustriert. Ob als resignierte wartende Frau an der Bar mit Weinglas-Augen oder als Collage aus vielen unterschiedlichen Frauen mit verschiedener Herkunft, Vorlieben und Stilen, die als große Einheit auftreten. Letztere Arbeit war eine Editorial Illustration zu einem Artikel über Frauennetzwerke.

Es ist wichtig, sich zu vernetzen

Ein Netzwerk aufzubauen und dieses zu pflegen, ist Teresa Bodi für ihre Arbeit als Illustratorin sehr wichtig. Nur so konnte Sie schließlich Fuß in der kreativen Branche fassen, wo sie doch zuvor noch Jura studiert hat und beinahe tagtäglich im Hosenanzug anzutreffen gewesen wäre. Eigentlich sei aber die Entscheidung, sich mehr der Illustration zu widmen, nur nach außen hin ein Richtungswechsel gewesen, erklärt uns Bodi. „Ich habe mein ganzes Leben lang gezeichnet, aber bis vor zwei Jahren immer nur für mich selbst. Ich dachte immer, ich bin nicht gut genug, um damit Geld zu verdienen.“ Schließlich hat sie sich nach einem Jahr an einer Kunstschule in Lissabon dann doch dazu entschieden, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Der Einstieg ist vor allem durch Freunde und Bekannte so gut geglückt: Nachdem Teresa Bodi diesen erzählt habe, sie arbeite nun als Illustratorin, hätten tatsächlich einige Freunde und Bekannte ziemlich bald Aufträge für sie gehabt. Dadurch konnte die Illustratorin schnell ihr Portfolio aufbauen und habe damit auch immer mehr Aufmerksamkeit von ihr unbekannten Auftraggebern bekommen, so die Wienerin weiter. Deshalb hat sie sich wohl auch in das Online-Verzeichnis „Women who draw“ aufnehmen lassen, denn sich zu vernetzen und Synergien zu nutzen, ist für sie eine große Chance, besondere kreative Arbeit zu leisten.

„In unserem digitalen Zeitalter ist es so einfach, Gleichgesinnte zu treffen, und daraus können wunderbare Dinge entstehen.“

Sich aus der eigenen Komfortzone trauen

Der Hauptpreis des Posterwettbewerbs war ein Druckgutschein für unseren Onlineshop diedruckerei.de über 1.000 Euro. Davon lässt die Gewinnerin als erstes neue Visitenkarten drucken, verrät sie uns. Sie kann sich aber auch vorstellen, durch den Posterwettbewerb inspiriert, mehr Illustrationen im größeren Format zu erstellen und drucken zu lassen. Bisher sei ihre Komfortzone eigentlich nicht größer als DIN A5. Die Wienerin gesteht: „Eine Posterserie wäre eine gute Möglichkeit, meine Grenzen zu erweitern.“ Denn öfter mal aus der Zone auszubrechen, erweitert nicht nur die eigenen Grenzen, sondern bewahrt auch eine gewisse Wandelbarkeit des eigenen Stils. Manchen Illustratoren fällt beispielsweise Selbstironie oder die Darstellung von eher unangenehmen Umständen oder Hässlichkeiten schwer, die oft auch ein Bewegen aus der Komfortzone bedeuten. Für Teresa Bodi ist das offenbar kein Problem. Zu dem sehr amüsanten pinken Schlappen-Bild, zu wienerisch „Schlapfen“, verrät uns Bodi:

„Dieses Bild ist ein Selbstportrait […]. Ich war seit Langem mal wieder einkaufen und diese wunderbaren glitzernden, pinken Samtschlapfen hatten es mir sehr angetan. Menschen in meinem Umfeld sagen, ich hab ein Faible für hässliche Sachen, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Schon beim ersten längeren Tragen habe ich festgestellt, dass das die unangenehmsten Schuhe sein mussten, die jemals produziert worden sind. Trotzdem hab’ ich sie so lange getragen, bis ich Wunden hatte und mir endlich eingestehen musste, dass es ein harter Fehlkauf war.“

Aber nicht nur Selbstironie beherrscht die Illustratorin. Auch unangenehme Themen, verpackt sie mit Bravour, sodass sie zu Beginn erstmal ganz anders wirken. Wie dieses Bild mit tanzenden Hühnerfüßen. Mit der folgenden Geschichte zum Bild hätten wir auf den ersten Blick nicht gerechnet:

„Zu diesem Bild habe ich ein sehr zwiespältiges Verhältnis. Einerseits finde ich es total abstoßend, andererseits musste ich beim Zeichnen die ganze Zeit an meine verstorbene Großmutter denken. Ein anscheinend sehr einprägsames Erlebnis meiner Kindheit war, als sie in Ungarn ein Hühnerbein aus dem Suppentopf gezogen hat und dann die Zehen einzeln abgeknabbert hat. Damals natürlich das normalste auf der Welt, für mich Vorstadtkind allerdings eine absolute Grausamkeit und bis heute eine sehr lebhafte Erinnerung.“

Teresa Bodi – eine wie es scheint zielstrebige und offene junge Illustratorin, die ihre Tagträume aus den Juravorlesungen wahr gemacht hat. Wir wünschen Ihr weiterhin viel Erfolg und danken für das sympathische Feature.

Bilder der anderen Poster in unserer Ausstellung auf dem Forward Festival finden Sie auf unserer Facebookseite.

 

Quelle und Bildnachweise:
Interview mit Teresa Bodi, 2018
Instagram: https://www.instagram.com/teresabodi/?hl=de

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