Im Vergleich: Bindearten für Druckprodukte

Erst die buchbinderische Weiterverarbeitung macht lose Blätter und gefalzte Bogen zu einem gebrauchsfertigen Druckprodukt. Die Auswahl verschiedener Bindungsarten ist groß und nicht jede Bindung ist für jedes Projekt geeignet. Herstellungskosten, Haltbarkeit, Seitenumfang und der spätere Gebrauch einer Drucksache sind die häufigsten Qualitätskriterien für die Auswahl einer Bindung. Damit Ihre Druckprodukte den individuellen Anforderungen standhalten, beleuchten wir in diesem Artikel die beliebtesten Bindearten und deren spezifischen Vor- und Nachteile. Mit diesen Infos sind Sie in der Lage, die passende Bindung für Ihr nächstes Projekt fachgerecht zu bestimmen.

Inhalt

Die Klammerheftung

Die Klammerheftung ist ein echter Klassiker unter den Bindeverfahren. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Rückendrahtheftung, Drahtheftung, Rückenheftung, Klammerbindung oder Drahtrückstichheftung bekannt. Diese Art der Bindung kommt besonders oft bei folgenden Printprodukten zum Einsatz:

  • Zeitschriften
  • Werbedrucksachen aller Art
  • Broschüren
  • Kataloge

Bei der Rückendrahtheftung werden ineinandergesteckte Druckbogen mit Klammern aus Draht in nur einem Arbeitsgang im Rückenfalz miteinander verbunden. Dabei wird der Draht in den meisten Fällen an zwei Stellen durch den Bund gestoßen und auf der Innenseite umgebogen. Nach der Bindung folgt auch schon der finale Arbeitsgang: der dreiseitige Beschnitt.

Kostengünstig und schnell zu produzieren – das sind Vorteile dieser Heftung. Sie zeichnet sich außerdem durch eine relativ lange Haltbarkeit sowie ein sehr gutes Aufschlagverhalten aus. Aufgedruckte Motive sind weit bis in den Bund (die Mitte der Drucksache im aufgeschlagenen Zustand) hinein sichtbar.

Die Seiten klammergehefteter Drucksachen müssen immer durch vier teilbar sein, Einzelseiten sind also nicht möglich. Einzige Ausnahme: ausklappbare Zusatzseiten, auch Einklapper genannt, auf den Umschlags- oder Innenseiten.

Ringösenheftung zum einfachen Abheften

Die maximale Seitenanzahl ist von der Papiergrammatur abhängig. Je höher die Grammatur des Papiers, desto geringer ist also die mögliche Anzahl der Seiten. Zum Vergleich: In einer Broschüre finden bei uns beispielsweise maximal 40 Seiten des 250 g/m² Bilderdruckpapiers Platz, während es bei 90 g/m² Bilderdruckpapier bis zu 128 Seiten sein können.

Der für die Heftung mit Klammern verwendete Draht ist in der Regel in verschiedenen Ummantelungen und Farben erhältlich. Eine Abwandlung ist die Ringösenheftung, die mit nach außen gebogenen Ösen versehen ist, was eine einfache Abheftung und Archivierung ohne Lochung möglich macht.

Vor- und Nachteile der Klammerheftung

  • Vorteile
  • schnell und günstig
  • haltbar
  • gutes Aufschlagverhalten
  • ökologisch dank geringem Materialeinsatz
  • viele Formate und Variationen möglich
  • Druck ist bis weit in den Bund sichtbar
  • mit Ringösen abheft- und archivierbar
  • Nachteile
  • Seitenanzahl ist begrenzt
  • wirkt nicht besonders hochwertig
  • Bundzuwachs
  • Rückensteigung, daher nicht gut stapelbar

Die Klebebindung

Der Name dieser Bindeart verrät es: Die Seiten eines Druckproduktes werden miteinander verklebt, um eine haltbare Drucksache zu produzieren. Die Klebebindung ist perfekt für:

  • Verkaufskataloge
  • Zeitschriften und Magazine
  • umfangreiche Broschüren
  • Taschenbücher
  • Werbebroschüren

Bei der Klebebindung werden einzelne gefalzte Bogen hintereinander zusammengelegt (zusammengetragen). Daraus ergibt sich der Innenteil Ihrer Drucksache. Damit der Klebstoff bis tief in die Papierfasern eindringen kann, wird der Rücken abgefräst, angeraut und der dabei entstehende Papierstaub entfernt. Erst jetzt kann der Klebstoff mittels Walzen oder Düsen außen auf den Bund (Buchrücken) aufgetragen werden. Anschließend wird der Umschlag auf den noch nicht durchgetrockneten Klebstoff gepresst. Nun folgt der Dreiseitenbeschnitt und schon ist das klebegebundene Druckprodukt fertig. Bei diesem Verfahren werden Hotmelt und PUR-Klebstoffe eingesetzt.

Buch mit PUR-Klebebindung

Hotmelt ist die günstige Variante und begrenzt haltbar, weswegen sich diese Bindeart besonders für einfache und kurzlebige Produkte eignet.

Klebebindungen mit PUR-Klebstoffen sind hochpreisiger, aber auch haltbarer – also ideal bei langlebigen und hochwertigen Drucksachen sowie bei großen Seitenumfängen.

 

Bei der Klebebindung wird mindestens eine Bundstärke von einigen Millimetern benötigt. Daher sind kleine Seitenumfänge mit geringen Papiergrammaturen in der Regel technisch nicht umsetzbar. Im Innenteil lassen sich aber einzelne Blätter und auch unterschiedliche Papiere verarbeiten.

Vor- und Nachteile der Klebebindung

  • Vorteile
  • schnell und relativ günstig
  • Produkte sind gut stapelbar
  • sehr gute Haltbarkeit bei PUR-Klebstoffen
  • Einzelblätter und verschiedene Papiere im Innenteil möglich
  • wirkt hochwertig
  • viele Formate und Variationen möglich
  • Nachteile
  • Druck verschwindet teilweise im Bund
  • eingeschränktes Aufschlagverhalten
  • minimal mögliche Bundstärke von Seitenanzahl und Grammatur abhängig
  • 72 Stunden Trocknungszeit bei PUR-Klebstoffen

Die Falzklebung/Klebefalz

Mit der günstigen Falzklebung, auch Bundleimung oder Klebefalz genannt, werden einfache Werbeprodukte zusammengehalten, die nicht lange halten müssen. Der Seitenumfang ist begrenzt und ein Umschlag lässt sich nicht verarbeiten. Typische falzgeklebte Produkte sind:

  • Prospekte mit geringen Seitenumfängen
  • Werbesendungen
  • Mailings
  • Zeitungsbeilagen
Dünnes Prospekt mit Klebefalz

Bei dieser Bindungsart kommt ein Leim zum Einsatz, der auf den vorgesehenen Falzlinien aufgetragen wird. Die Bogen werden also zunächst miteinander verklebt, anschließend gefalzt und beschnitten. Je nach Falzart sind im Bogenoffset acht-, zwölf- und sechzehnseitige Druckprodukte möglich. Höhere Umfänge werden im Rollenoffset erreicht. Die Papiergrammatur sollte zwischen 80 und maximal 135 g/m² liegen. Neben dem Bogenoffset wird diese Bindetechnik auch beim Rollenoffset verwendet, um Auflagen ab ca. 50.000 Stück kosteneffizient und meist mittels Inline-Fertigung (alle Schritte des Fertigungsprozesses erfolgen innerhalb derselben Maschine) zu produzieren.

Vor- und Nachteile der Falzklebung

  • Vorteile
  • günstig und schnell
  • relativ gutes Aufschlagverhalten
  • viele Formate und Papiere möglich
  • Nachteile
  • geringer Seitenumfang
  • nur für kurzlebige Produkte
  • kein Umschlag
  • eingeschränkte Auswahl an Grammaturen
  • unterschiedliche Papiere sind nicht möglich
  • wirkt nicht sehr hochwertig

Die Blockleimung

Die Blockleimung ist eine einfache und kostengünstige Bindung. Kurzlebige Druckprodukte, aus denen Sie einzelne Blätter entnehmen möchten, werden häufig mit einer Blockleimung zusammengehalten. Diese Art der Bindung können Sie daher besonders gut für folgende Produkte einsetzen:

  • Notiz- und Schreibblöcke
  • Durchschreibesätze
  • beschreibbare Schreibtischunterlagen
  • Schulungsunterlagen
  • Wertmarken, Gutscheine und Eintrittskarten
Block mit Leimung zum leichten Heraustrennen einzelner Seiten

Bei der Blockleimung wird lediglich der Rücken mit Leim bestrichen. Zuvor werden die zu leimenden Blätter beschnitten. Ein Zusammentragen der Einzelseiten ist nur notwendig, wenn die Motive innerhalb des Blocks unterschiedlich sind und im Offsetdruck gedruckt werden. Im Digitaldruck sind wechselnde Motive ohne ein anschließendes Zusammentragen der einzelnen Bogen möglich. Eine Graupappe zur Stabilisierung und auch ein Umschlag können optional angeleimt werden. Damit Einzelseiten heraustrennbar sind, kommen Leime mit einer nur geringen Klebkraft zum Einsatz.

Es können innerhalb des Blocks unterschiedliche Papierarten eingesetzt werden: Ungestrichene Papiere eignen sich besonders gut. Hohe Grammaturen und zu viele Seiten können zu einer frühzeitigen Ermüdung des Leims führen: Die Blätter können sich ungewollt aus dem Block lösen.

Die Vor- und Nachteile der Blockleimung

  • Vorteile
  • Einzelblätter lassen sich einfach entnehmen
  • mit einer Lochung auch abheftbar
  • günstig
  • verschiedene Papiere sind im Innenteil möglich
  • viele Formate und Variationen
  • Nachteile
  • gestrichene Papiere sind nur eingeschränkt möglich
  • geringe Haltbarkeit
  • Motive dürfen nicht bis in den Leim hineinragen
  • Seitenumfang ist je nach Einsatzzweck begrenzt

Die Fadenheftung

Bei der Fadenheftung werden die Druckbogen über Fäden miteinander verbunden. Mit Faden geheftete Drucksachen halten sehr lange, sind allerdings aufwendig in der Produktion, teuer und werden zum Beispiel für hochwertige Werke eingesetzt. Typische Produkte dieser Art der Buchbindung sind Bücher wie zum Beispiel:

  • Bildbände
  • Bibeln
  • Kunstbücher
  • Belletristik
  • Kataloge

Bei der Fadenheftung falzen wir zunächst einzelne Druckbogen. Diese werden anschließend zusammengetragen und miteinander vernäht. Hieraus entsteht der Buchblock, der im Rücken beleimt und dreiseitig beschnitten wird. Die vernähten und beleimten Buchblöcke lassen sich nun in diverse Umschläge einhängen – sie werden bei diesem Vorgang mit dem Umschlag „verheiratet“. Die Fadenheftung macht die Nutzung einer Vielzahl verschiedener Umschläge (wie z. B. Hardcover) möglich. Die weitere Verarbeitung ist also abhängig von der Art des Umschlags.

Mit einem Faden geheftetes Notizbuch

Wer es bunt mag, kann die Farben der Kapitalbänder, Lesezeichen und Faden aus einer großen Palette frei wählen. Auch die Auswahl an Bezugsstoffen, Umschlagmaterialien und Papiere für den Inhalt ist sehr groß. Kein anderes Bindeverfahren macht den Einsatz so vieler unterschiedlicher Materialien möglich. Auch beim Umfang des Inhalts müssen Sie sich nicht begrenzen – über 1.000 Seiten lassen sich stabil und dauerhaft miteinander verbinden.

 

Vor- und Nachteile der Fadenheftung

  • Vorteile
  • sehr stabil und langlebig
  • gutes Aufschlagverhalten
  • wirkt hochwertig
  • viele Inhaltsseiten lassen sich problemlos verarbeiten
  • extrem variantenreich
  • Nachteile
  • hochpreisig
  • Einzelseiten lassen sich nicht verarbeiten
  • Falzbogen müssen aus vier, acht oder sechzehn Seiten bestehen
  • überlaufende Bilder verschwinden teilweise im Bund

Die Spiralbindung

Die Spiralbindung nennen wir auch Wire-O-Bindung, Drahtkammbindung oder Metall-Ringbindung. Bei dieser Bindetechnik wird ein Draht oder Drahtkamm durch eine Lochreihe gezogen, die zuvor in den Block gestanzt wurde. Die Spiralbindung ist vielseitig und wird gerne für folgende Produkte genutzt:

  • Kalender
  • Koch- und Notenbücher
  • Schulungshandbücher
  • Schreibblöcke
  • Verkaufsunterlagen
  • Broschüren

Für die Spiralbindung wird eine Lochreihe in den Buchblock und ggf. Umschlag gestanzt. Durch die kreisrunden Ausstanzungen wird nun eine Drahtspirale gedreht. Eine Umformung an den Drahtenden sorgt dafür, dass sich die Blätter nicht herauswinden können.

Aufgeschlagener Notizblock mit Wire-O-Bindung

Keine andere Buchbindemethode erlaubt ein so ausgezeichnetes Aufschlagverhalten. Die Seiten bleiben ganz flach liegen und lassen sich sogar komplett umschlagen. Die maximale Seitenanzahl ist vom Durchmesser der Spiralen und von der Papiergrammatur abhängig. Bei einem großen Spiraldurchmesser und einer geringen Grammatur sind mehrere hundert Seiten kein Problem. Innerhalb des Blocks können unterschiedliche Drucksubstrate und Einzelblätter eingesetzt werden. Die Spiralen sind in verschiedenen Farben und Materialien erhältlich. Beim Aufschlagen ergibt sich ein Versatz: Über den Bund laufende Motive schließen nicht bündig ab.

 

Vor- und Nachteile der Spiralbindung

  • Vorteile
  • langlebig
  • hervorragendes Aufschlagverhalten
  • Blätter lassen sich komplett umschlagen
  • große Seitenumfänge möglich
  • Materialmischungen sind unkompliziert
  • Einzelblätter verarbeitbar
  • Nachteile
  • Über den Bund laufende Motive schließen nicht bündig ab (Versatz)
  • Zwischen den aufgeschlagenen Seiten ergibt sich ein Spalt
  • durch die abstehenden Spiralen nur bedingt stapelbar
  • kleinerer Satzspiegel durch die Lochreihe

Weitere Bindearten

Ihnen geht es darum, eine Blattsammlung zusammenzuhalten und ggf. um weitere Ausdrucke zu ergänzen? Dann eignen sich Aktenordner mit einer Hebelmechanik besonderes gut. Aktenordner sind stabil, die eingehefteten Blätter lassen sich umblättern und die Blattsammlung kann problemlos erweitert werden.

Mappen sind eine weitere Möglichkeit, um einzelne Ausdrucke zu sammeln. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine Bindetechnik, da die Blätter lose zusammenliegen. Mappen sind in verschiedenen Ausführungen verfügbar, beispielsweise mit gesteckten oder geklebten Laschen, verschiedenen Füllhöhen, Schlitzen für Visitenkarten und Halterungen für Kugelschreiber. Sie werden gerne für Events, Verkaufs- und Schulungsunterlagen eingesetzt.

Tipp: Wie Sie die passende Bindung auswählen

Bei der Auswahl einer für Ihr Druckprojekt passenden Bindung stehen primär folgende Kriterien mit den entsprechenden Ausprägungen im Fokus Ihrer Überlegungen:

  • Kosten
  • Haltbarkeit
  • Seitenumfang
  • Aufschlagverhalten
  • Wertigkeit/Ästhetik

Weitere und in der Regel weniger wichtige Kriterien können sein:

  • Stapelbarkeit
  • unterschiedliche Papiere
  • Abheftbarkeit
  • Einzelblätter heraustrennbar
  • Einzelblätter verarbeitbar

Kleine Auswahlhilfe

Wenn Sie nun die für Sie wichtigsten Faktoren bestimmen, können Sie hieraus passende Bindearten ableiten:

Beispiel A

Ihr Druckprodukt soll folgende Kriterien erfüllen:

  • günstig
  • mittlere Haltbarkeit
  • mittelgroßer Seitenumfang (ca. 100 Seiten)
  • gutes Aufschlagverhalten

In diesem Fall kommen nur zwei der hier dargestellten Bindearten in Frage: die Spiralbindung und die Klammerheftung.

Beispiel B

Ihr Druckprodukt soll folgende Kriterien erfüllen:

  • hohe Wertigkeit
  • hoher Seitenumfang (über 300 Seiten)
  • gutes Aufschlagverhalten
  • sehr gute Haltbarkeit (viele Jahre)

Sollen diese Kriterien erfüllt werden, dann kommt nur die Fadenheftung in Frage.

Beispiel C

Ihr Druckprodukt soll folgende Kriterien erfüllen:

  • verschiedene Papiere für den Inhalt
  • Einzelblätter
  • kleiner Seitenumfang (ca. 40 Seiten)
  • hohe Wertigkeit
  • relativ kostengünstig
  • geringe Haltbarkeit

Bei dieser Kombination an Kriterien würden wir die Klebebindung mit Hotmelt empfehlen.

Bei der Auswahl einer geeigneten Bindung müssen Sie also die Anforderungen an das Druckprodukt so exakt wie möglich definieren, um in der Lage zu sein, mögliche Bindetechniken auszuwählen.

Welche Bindung für welches Produkt?

Als kleine Hilfestellung finden Sie in der nachfolgenden Tabelle eine Übersicht über die gebundenen Produkte von diedruckerei.de und die jeweils verfügbaren Bindearten.

Klammer-heftungHotmelt-Klebe-bindungPUR-Klebe-bindungFalz-klebungBlock-leimungFaden-heftungSpiral-bindung
Broschüren×××
Kataloge×××
Blöcke×
Durchschreibesätze×
Eintrittskarten×
Haftnotizen×
Schreibtischunterlagen×
Wandkalender××
Tischkalender×
Bücher mit Hardcover×

 

Bildnachweise
Aufmacher: zefart (via Shutterstock)
Bilder: Africa Studio (via Shutterstock), smolaw (via Shutterstock), kazoka (via Shutterstock), multifacetedgirl (via Pixabay), Hunter Bliss Images (via Shutterstock), pashminu (via Pixabay), Landysh (via Shutterstock), Tirachard Kumtanom (via Pexels), Moobin (via Shutterstock) sowie Onlineprinters GmbH

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte gebe einen Kommentar ein.
Bitte geben Sie Ihren Namen ein